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St. Antoniuskirche am Antoniusplatz in St. Ulrich in Gröden.

Ladinische Kultur und Sprache im Grödner Tal

Ladinisch, die dritte Landessprache

Aufgrund der einstmaligen Abgeschiedenheit des Grödner Tales hat sich neben deutsch und italienisch eine eigene Sprache erhalten, das Ladinische, einer rätoromanischen Sprache, die sich nach der Romanisierung des Gebiets aus dem Vulgärlatein und aus Resten der Regionalsprache entwickelt hat.

Es ist eine wohlklingende, aber für einen Nicht-Ladiner wohl kaum verständliche Sprache, reich an einzigartigen Lauten und Lautkombinationen.

Der ladinische Teil Südtirols beginnt bei Pontives (ca. 7 km östlich von Waidbruck). Ladinisch wird weiters im benachbarten Gadertal, im Trientner Fassatal, im Ampezzaner Gebiet sowie im Schweizer Graubünden gesprochen.

Die Ladiner stellen mit ca. vier Prozent die kleinste ethnische Gruppe Südtirols dar. Sie halten nichtsdestotrotz stark an ihren Traditionen und ihrer Sprache fest, die durch mündliche Überlieferung von Generation zu Generation getragenen wird und pflegen diese auch entsprechend im Schulunterricht, regelmäßigen Publikationen, verschiedenen Fernseh- und Radiosendungen.

In verschiedenen Gemeinden mit ladinischer Bevölkerung ist „Ladinisch“ als regionale Amtssprache, sowie auch als Schulsprache wie z.B. an der Kunstschule in St. Ulrich, wo seit einigen Jahren sogar viersprachig unterrichtet wird, also Fächer in ladinischer, deutscher, italienischer und englischer Sprache) anerkannt.

Zu diesen Gemeinden gehören Wolkenstein (Sëlva), St. Ulrich (Urtijëi), St. Christina (Santa Cristina), Abtei (Badia), Kurfar (Corvara), Enneberg (Maréo), St. Martin in Thurn (San Martin de Tor), Wengen (La Val), Canazei (Cianacei), Vigo di Fassa (Vich) und Pozza di Fassa (Poza), welche allesamt in der Region Trentino - Südtirol liegen.

Reliktsprache Europas

Der ladinische Sprachwissenschaftler Micurà de Rü (geboren 4. Dezember 1789 in Rü, St. Kassian, Abtei (Südtirol); gestorben 29. März 1847 in Wilten) unternahm den ersten Versuch, eine ladinische Schriftsprache zu entwickeln.

Nach ihm ist daher auch das ladinische Kulturinstitut in Sankt Martin in Thurn benannt, welches die Kulturpflege zur Aufgabe hat. Das landinische Museum befindet sich unweit davon ebenfalls in St. Martin in Thurn.

Auch in der größten Südtiroler Tageszeitung ist oft ein Abschnitt oder eine ganze Seite zu finden, die gänzlich in ladinischer Sprache verfasst ist.

Das Ladinische ist heute stark von Überfremdung bedroht. Trotzdem ist bewiesen, dass die Fähigkeit, als Ladiner zu empfinden, als Ladiner zu denken und zu fühlen, im Großteil der Bevölkerung noch lebendig ist.

Als Volkshymne, zumindest der Ladiner Grödens, gilt nach wie vor das Lied „Gherdëina, Gherdëina“, dessen letzte Strophe folgendermaßen ausklingt:

Gherdëina, Gherdëina,
de l’oma si rujné
rejona, rejona
y no te l dejmincé!
Gröden, Gröden,
die Sprache der Mutter
sprich, sprich
und vergiss sie nicht!
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